Veit Mette

Welche Medienkompetenzen benötigen Azubis? Ergebnisse einer Studie für das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Digitale Medien kommen in der Ausbildung nicht nur beim Lernen zum Einsatz, sondern selbstverständlich auch als tägliches Arbeitsgerät. Doch wie gut beherrschen Auszubildende diese Medien zu Beginn ihrer Ausbildung – und welche „Medienkompetenz“ sollten die Azubis nach Meinung ihrer Ausbilder und Berufsschullehrer am Ende der Ausbildung besitzen? Diese Frage beantwortet eine Untersuchung für das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) „Medien anwenden und produzieren“.*  https://www2.bibb.de/bibbtools/tools/dapro/data/documents/pdf/eb_42417.pdf

Sie basiert auf einer Online-Befragung von Auszubildenden, Ausbildern und Berufsschullehrern aus neun ausgewählten Ausbildungsberufen mit einem unterschiedlichen Grad von Medienproduktion bzw. Medienanwendung (Mediengestalter Digital und Print, Medienkaufleute Digital und Print, Fotograf, Technischer Produktdesigner, Kaufleute für Bürokommunikation, Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung, Papiertechnologe, Kaufleute im Einzelhandel, Buchbinder).

Eine Frage erhob die Medienkompetenz, über die Auszubildende zu Beginn ihrer Ausbildung bereits verfügen – in Abbildung 1 dargestellt in der Reihenfolge der Zustimmung durch die Ausbilder (blaue Balken). Unisono sehen hier alle drei Befragtengruppen die Kommunikationskompetenz zum allgemeinen Austausch weit vorne – mehr als 80 Prozent vergaben hierfür die Noten 1 oder 2 auf einer sechsstufigen Skala. Miteinander über Social Media oder Chat-Kanäle in Verbindung zu stehen, ist für Auszubildende heutzutage offenbar kein Problem.

Abbildung1

Deutlich größer sind die Unterschiede bei der Einschätzung, inwieweit Auszubildende beim Umgang mit Medien respektvoll mit anderen umgehen. Gleiches gilt für die Ausdrucksfähigkeit und die Compliance, d.h. das Einhalten von Regeln im Unternehmen.

Im Allgemeinen schätzen die Auszubildenden ihre Fähigkeiten deutlich besser ein als das Ausbildungspersonal. Man muss dabei allerdings berücksichtigen, dass Berufsschullehrer ihre Azubis nur selten im Arbeitsalltag erleben – im Gegensatz zu ihren Ausbildern.

Nach Ansicht beider Gruppen fehlt es den Auszubildenden vor allem an der berufsspezifischen Ausformung von Medienkompetenz, obwohl sich die Auszubildenden hierfür schon recht gut gerüstet fühlen. Wie die Studie weiter zeigt, können die Auszubildenden diese Defizite im Verlauf der Ausbildung besser einschätzen.

Auf den hinteren Plätzen rangieren Kompetenzaspekte, die eher die Arbeitswelt betreffen, die ein Auszubildender also weder in der Freizeit noch in der allgemeinbildenden Schule gelernt haben kann. Nachholbedarf besteht aber ganz offensichtlich auch bei der selbstständigen Problemlösungsfähigkeit mit Medien – auch dieses Item landet in der Schlussgruppe der bei Ausbildern und Berufsschullehrern abgefragten Kompetenzen.

Welche Medienkompetenzaspekte sollten nun während der Ausbildung besonders vordringlich vermittelt werden? Betrachtet man die genannten Medienkompetenzziele von Ausbildern und Berufsschullehrern und „subtrahiert“ die Kompetenzen, die Auszubildende zu Beginn der Ausbildung bereits mitbringen, so sollten vor allem berufsbezogene Aspekte wie das Einhalten von Copyrights und Datenschutz sowie der Umgang mit berufsbezogener Software im Fokus der Medienkompetenzschulung stehen (vgl. Abbildung 2).

Abbildung2

Doch auch die Problemlösungsfähigkeit mit Hilfe von Medien sollte in der Ausbildung eine große Rolle spielen. Die zu Beginn der Ausbildung offenbar kaum vorhandene Selbstlernkompetenz steht auf Platz zwei der Bedarfsliste – eine Schlüsselkompetenz, die für alle Lernprozesse während der gesamten Ausbildung relevant ist.

Offen bleibt die Frage, ob diese Medienkompetenzen auch dazu beitragen, dass Auszubildende leichter mit digitalen Medien lernen und ob sich hierdurch auch die Qualität des Lernens ändert. Hierüber wird der erste Bericht „Monitor Digitale Bildung“ zur Berufsausbildung Auskunft geben, der voraussichtlich im August 2016 erscheinen wird.

*verantwortlich für diese Studie ist beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Dr. Heike Krämer. Durchgeführt wurde die Untersuchung in den Jahren 2013 bis 2015 vom mmb Institut – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH.

 

Link zur Studie: https://www2.bibb.de/bibbtools/tools/dapro/data/documents/pdf/eb_42417.pdf

 



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