Thomas Kunsch

Reaktionen der E-Learning-Anbieter auf die Monitor-Ergebnisse

Zukunft Personal

Ein Impulsvortrag auf der Kölner „Zukunft Personal“ mit den Ergebnissen des „Monitor Digitale Bildung – berufliche Bildung im digitalen Zeitalter“ löste eine lebhafte Diskussion unter vier Vertretern von E-Learning-Anbietern aus, die am 20.10.2016 im „Trendforum E-Learning“ auf dem Podium saßen.

Gesprächspartner waren Klaus Kräft, tts GmbH, Markus Herkersdorf, TriCAT GmbH, Axel Wolpert, time4you GmbH und Jannis Goossens, IJsfontein Interactive Media GmbH; Moderation: Lutz Goertz, mmb Institut.

Der „Monitor“ hatte gezeigt, dass Auszubildende viele Lernformen bereits aus ihrer Freizeit kennen: Spiele oder Social Media werden von ihnen bereits wie selbstverständlich zum Lernen eingesetzt. Die vier Anbieter auf dem Podium konnten dies bestätigen. Dies führt nach ihrer Einschätzung allerdings auch dazu, dass die Erwartungen der Nutzer an die neuen Lernsysteme im Betrieb enorm hoch sind. Man wünscht dort die gleiche Qualität der Lernspiele wie zu Hause und Social Media sollten so funktionieren wie WhatsApp oder Facebook. Das ist natürlich auch eine Frage des Budgets. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Lerner, die mit neuen Lerntechnologien bislang kaum Erfahrungen gemacht haben. Das Kunststück für den Anbieter sei es nun, Angebote zu schaffen, die allen Zielgruppen gerecht werden.

Die vier Anbieter ergänzten, dass Personen in Unternehmen, die über E-Learning-Anschaffungen entscheiden, viele innovative Lernmöglichkeiten zwar ausgesprochen sinnvoll und spannend finden, diese aber dann doch nicht ordern. Hier treffen die E-Learning-Produzenten auf Akzeptanzhürden – Bewährtes wird gerne weiter gepflegt, neue Lernformen haben es hingegen schwer.

Bestätigen konnten die vier Podiumsteilnehmer auch, dass Trainer und Ausbilder in den Unternehmen eher die bewährten didaktischen Konzepte „digital verlängern“, d.h. sie ersetzen einige analoge Lernmedien wie Papierhandouts und Lernfilme auf Videocassetten durch Pdf-Dateien und YouTube-Videos, bleiben aber ihren vertrauten didaktischen Methoden treu. Wenn hingegen neue Lernformen auch zu neuen Lernkonzepten führen, bedeutet dies für das Bildungspersonal in den Unternehmen eine große Umstellung. Hier sind die E-Learning-Anbieter als Berater gefragt – diese Aufgabe wird in den letzten Jahren immer wichtiger. Der Verkauf von reinen „Off-the-Shelf“-Produkten ohne zusätzliche Service-Leistungen wird hingegen seltener.

Manchmal sind es auch Rahmenbedingungen und Regeln im Unternehmen, die die Einführung des digitalen Lernens erschweren. Früher kam es vor, dass die Rechner von Mitarbeitern keinen Internetzugang oder keine Grafikkarte hatten. Doch auch heute reicht oft die Rechenleistung nicht aus, um beispielsweise die Simulationsanwendungen von tricat oder die „Serious Games“ von IJsfontein zu nutzen.

Alle vier Hersteller bestätigen, dass ihre Unternehmenskunden E-Learning-Anwendungen nicht unbedingt deswegen anschaffen, um damit bestimmte benachteiligte Zielgruppen im Unternehmen zu fördern, also beispielsweise Nicht-Muttersprachler oder Auszubildende mit Lernschwächen. Diese Aussagen bestätigen die Ergebnisse des Monitors, nach denen in Unternehmen vor allem solche Werkzeuge zur speziellen Förderung eingesetzt werden, die für alle Zielgruppen interessant sind, also z.B. Videoangebote, die komplexe Sachverhalte illustrieren.

Im Frühjahr 2017 werden die Befunde für den Monitor Digitale Bildung zum Thema „Weiterbildung“ vorliegen. Dann wird sich zeigen, ob sich die Einschätzungen der Anbieter nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Weiterbildung im Unternehmen (und darüber hinaus) mit den Ergebnissen der Befragungen decken.

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Quelle Logo: spring Messe Management GmbH



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