Individuelle Förderung mit digitalen Medien: Die inklusive „Traumschule von Thalmässing“

Die Bertelsmann Stiftung verleiht heute zusammen mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und der Deutschen UNESCO-Kommission den 2009 ins Leben gerufenen „Jakob Muth-Preis für inklusive Schule“. Eine der Preisträger-Schulen, die Grund- und Mittelschule Thalmässing, zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie das Potenzial digitaler Medien im gemeinsamen Unterricht nutzt.

Die 310 Schüler der „Traumschule von Thalmässing“ (Süddeutsche Zeitung), darunter 32 Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten, lernen von klein auf, dass Vielfalt etwas Wertvolles ist. Systematische Kooperation, eine Kultur der „offenen Türen“ sowie der selbstverständliche Einsatz digitaler Medien zur individuellen Förderung bilden die Grundpfeiler erfolgreicher Inklusion in Thalmässing.

Alle Klassenräume sind als flexible Klassenzimmer gestaltet. So wird die zentrale Tafel durch ein SMART-Board an der Rückseite jedes Klassenraums und durch frei verschiebbare Tafelelemente ersetzt, die auch von Rollstuhlfahrern problemlos genutzt werden können. Die SMART-Boards sind in allen Klassenstufen fester Bestandteil der täglichen Arbeit. Diese werden nicht nur von den Schülern während der Freiarbeit genutzt, sondern dienen auch dazu, den individuellen Lernstand der einzelnen Schüler zu ermitteln.

Bei der sogenannten „Response-Abfrage“ etwa präsentiert eine Lehrkraft über das SMART-Board 20 Aufgaben zu verschiedenen Themenbereichen. Die Schüler geben die Lösung der Fragen in ihren „Klicker“ ein. Am Ende der 15-minütigen Überprüfung wertet die Lehrkraft die Ergebnisse gemeinsam mit den Schülern aus und bildet auf dieser Grundlage mehrere Kleingruppen. Dort arbeiten die Schüler anschließend an solchen Themenschwerpunkten weiter, in denen sie noch Schwierigkeiten haben. Bemerkenswert ist auch die Möglichkeit der flexiblen Leistungserbringung ohne Zeitdruck. Jeder Schüler erhält die Möglichkeit, bestimmte Leistungsziele innerhalb eines Zeitfensters von einer Woche flexibel zu erbringen. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von klassischen Klassenarbeiten, über digitale Präsentationen bis hin zur „Response-Abfrage“.

Digitalisierung ist an der Grund- und Mittelschule in Thalmässing kein Selbstzweck. Sie ist eine von vielen kreativen Lösungen, um die Teilhabe aller Schüler am Unterricht sicherzustellen und ihnen am Ende ihrer Schulzeit den Übergang in eine inklusive – und zunehmend digitalisierte – Arbeitswelt zu ermöglichen. Dafür kämpft die Schule jeden Tag mit großem Engagement und beachtlichem Erfolg. Auf unserem Blog „Vielfalt fördern“ findet sich ein ausführlicherer Bericht eines Schulbesuchs vor Ort.

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Foto: Individuelle Förderung durch digitale Medien an der Grund- und Mittelschule Thalmässing. (Fotograf: Ulfert Engelkes)



Autor

Ralph Müller-Eiselt Senior Expert Projektleitung „Teilhabe in einer digitalisierten Welt“ Telefon: +49 5241 / 8 18 14 56 Profil

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