Bertelsmann Stiftung

Schools of Tomorrow

Wie sehen die Schulen von morgen aus? Welche Projekte bieten Platz für Kreativität, kritisches Denken, kooperatives Lernen? Welche Rolle nehmen Kunst – und Medienbildung in Partizipationsprozessen ein? In Berlin kamen vom 04. bis zum 06. Mai Interessierte aus den unterschiedlichsten Bildungsbereichen zusammen, um sich über zukunftsfähige Schulkonzepte auszutauschen. Eine Quintessenz: Der Lernende gehört mehr als je zuvor in den Mittelpunkt der Lernsituation. Und mit ihm sein Digital Device.

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie das Alphabet erlernten? A wie Apfel, B wie Buch, C wie Clown? Eine gängige Methode war und ist es, jedem Buchstaben ein Objekt zuzuordnen, anhand dessen der Buchstabe visualisiert werden kann. Kommen Ihnen Bilder in den Kopf? Und worum ging es bei den ersten Texten, die Sie lasen? Um Mimi, deren Eltern und die Katze Mole?

Aus dem Apfel wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ampel – zumindest in den zunehmenden urbanen Regionen. Hier war das Konzept des Urbanen Lernens auf dem Vormarsch. Die Idee dahinter war, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, was sie in ihrem speziell städtischen, täglichen Lebensumfeld benötigen würden. Man lernte beispielsweise den Buchstaben U kennen anhand des U-Bahn – Symbols und einer der ersten Lesetexte handelte von Paul und dessen erster U-Bahn – Fahrt.

Das Prinzip des Urbanen Lernens ist eines, mit dem sich die Teilnehmer der Schools Of Tomorrow – Konferenz vertieft auseinander setzen durften. Eines der Ziele dieser dreitägigen Veranstaltung war es, Möglichkeiten vorzustellen, wie heutige Schulen Themen wie die Digitalisierung, Migration, den demographischen Wandel und die Klimaentwicklung aktiv in ihre Curricula aufnehmen können, um die Lernenden zu bewussten und handlungsfähigen Menschen ihrer Gesellschaft auszubilden. Anhand des Urbanen Lernens konnte und kann greifbar gemacht werden, dass die Lernenden in den Mittelpunkt von Lernprozessen gerückt und derartige Themen intuitive Lerngegenständen des Unterrichtsgeschehens sein können. Wie dies aussehen kann?

Zunächst verabschieden sich Lehrende vom Alltäglichen. Sie verlassen mit ihren SchülerInnen beispielsweise das Klassenzimmer und suchen den Bäcker in der Nachbarschaft auf: Was hat er im Angebot? Wie entsteht so ein Brötchen? Woher kommen die Rohlinge, die der Bäcker im Laden aufbäckt? Wieso ist ein Kürbiskernbrötchen teurer als eine Schrippe? Wer bestimmt die Preise? Wie komme ich an mein Geld, mit dem ich mir ein solches Brötchen kaufen kann?

Ausgehend von ihren Interessensgebieten bestimmen die SchülerInnen ihre weiteren Nachforschungen und lernen auf diese Weise selbstbestimmt, was sie benötigen, um sich die Welt, in der sie leben, zu erschließen. Die typischen Schulstrukturen werden beim Urbanen Lernen mindestens teilweise aufgehoben; der Lehrer etwa darf als Lernbegleiter dabei sein, der seinen SchülerInnen das Werkzeug vermittelt, eigenständig zu Lernen. Die Erkenntnisse gewinnen die SchülerInnen aus Recherchen, Erkundungstouren durch ihre Stadt oder Experteninterviews. Damit sind Lerninhalte und -methoden zentral bestimmt von den Lernenden selbst.

Im weiteren Gespräch mit Urban Lehrenden aber auch mit anwesenden Lehrern, mit Kulturschaffenden, mit Museums-, Theater und Musikpädagogen stellte sich eines heraus: Es gibt bei all den unterschiedlichen kulturellen, ästhetischen, gesellschaftlichen Bildungszugängen eine Gemeinsamkeit. Die digitalen Medien. Sie sind aus der Lebenswirklichkeit der SchülerInnen nicht mehr wegzudenken. Geben die Lehrenden ihnen den Raum, so nutzen die Lernenden die Laptops und PCs an der Schule, um Hintergründe zu recherchieren und ihre Ergebnisse visuell aufzubereiten. Sie rufen mithilfe ihrer Smartphones Stadtpläne und Verkehrsauskünfte mit den entsprechenden Apps auf, halten Interviews als Audio – oder Videodateien fest, stimmen sich über Messengerdienste ab und teilen Inhalte über Plattformen. Die Heranwachsenden haben die neuen Medien in ihren Lernpotentialen längst entdeckt und für sich nutzbar gemacht. Damit hat die Konferenz nicht nur Ausblicke auf die Schulen der Zukunft geben können, sondern auch demonstriert: Die Schulen von morgen scheinen in einigen Schulen von heute bereits angekommen zu sein.

Gastbeitrag von Stephanie Boden



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