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Innovativ, strukturiert und kooperativ – Zentrale Herausforderungen von IT-Strategie und -Governance

Eine strategische (Weiter-)Entwicklung von Lehre im digitalen Zeitalter umfasst auch die dauerhafte Verankerung von Lehr- und Lerninnovationen. Dies ist jedoch immer auch mit Herausforderungen verbunden. So braucht es strategische Rahmenbedingungen, damit die dauerhafte Verankerung von digitalen Innovationen letztlich nützlich und auch realistisch ist. Prof. Dr. Ulrike Lucke (Universität Potsdam) und Dr. Markus von der Heyde (vdH-IT) gehen daher auf der Strategiekonferenz am 24.09.2018 in der Session „Lehr- und Lern-Innovation dauerhaft verankern – Fragen an IT-Strategie und -Governance“ der Frage nach, welche IT-Governance nachhaltigen Erfolg verspricht und welche Herausforderungen sonst noch zu meistern sind. Zur Einstimmung in das Thema stellt dieser Beitrag daher kurz zentrale Aspekte vor.


Zentrale Rolle der Rechenzentren.

Die dauerhafte Verankerung eines innovativen Lehr- oder Lernkonzepts erfordert zunächst und vor allem dessen Integration in eine gemeinsame hochschulweite Infrastruktur – schon allein deswegen, um Daten einfach zwischen verschiedenen Systemen und Tools austauschen zu können, einen unkomplizierten Zugang zu vorhandenen Services zu ermöglichen und diese – etwa über ein zentrales Portal – ohne großen Aufwand auffindbar zu machen.

Damit kommt den für die hochschulweite Infrastruktur zuständigen Rechenzentren sicherlich die zentrale Rolle bei der nachhaltigen Implementierung von Innovationen zu.

Spagat zwischen Innovation und Regelbetrieb.

Allerdings kann diese Rolle auch schnell zu Überforderung führen: Denn die Digitalisierung schreitet nicht nur in der Lehre rasch voran, sondern auch in der Verwaltung und Forschung werden permanent neue Lösungen und Systeme getestet und angewendet, die später in die vorhandene Infrastruktur eingefügt werden müssen, und die nicht selten Relevanz für das gesamte Hochschulpersonal haben. Hinzu kommt die Erwartung, dies alles möglichst so nahtlos zu gestalten, dass die Nutzer/innen nicht zum permanenten Umlernen gezwungen sind, sondern im optimalen Fall nur einen Zuwachs an Möglichkeiten und Features wahrnehmen.

Dies zu leisten, erfordert nicht nur einen hohen Zeit- und Kraftaufwand, sondern manchmal auch Änderungen und Umbauten an der Infrastruktur-Basis selbst, wodurch unter Umständen die Stabilität des Regelbetriebs, dessen Sicherstellung ja die zentrale Aufgabe der Rechenzentren ist, riskiert wird.

Infrastruktur auf Innovationen auslegen.

Die verschiedenen Lösungen und Anwendungen an Hochschulen sind heute oft zu komplex integrierten Gesamtsystemen vernetzt. Änderungen an den Schnittstellen dieser vernetzten Systeme können dadurch potentiell an vielen anderen Stellen – manchmal auch ungeplante – Auswirkungen haben. Soll die Integration von Neuem daher dauerhaft gelingen, so wird eine System-Architektur notwendig, die von Anfang an darauf ausgelegt ist, auch die Integration von noch unbekannten, neuen Lösungen zu ermöglichen.

Selbstverständnis über Hochschulziele als Orientierungsmaßstab.

Eine derartige Ausrichtung der infrastrukturellen Gesamtkonzeption auf Innovation, Weiterentwicklung und Ausbau kann nur gelingen, wenn ein möglichst klares (Selbst-)Verständnis über die Ziele der Hochschulentwicklung generell vorhanden ist. Beispielsweise erfordert eine auf digitale Lehre fokussierte Hochschule ein ganz anderes IT-Infrastruktur- und Sicherheits-Konzept als eine Hochschule, deren strategische Perspektive eher in der Internationalisierung liegt. Spätestens hier zeigt sich also eine wichtige Herausforderung strategischer Art, wobei eine solche Zielvorstellung selbstverständlich immer auch mit den Beteiligten gemeinsam erarbeitet werden muss.

Selektion von Innovationen: Neue Entscheidungsstrukturen nötig.

Die strategischen Herausforderungen sind jedoch vielfältiger. Technologische Innovationen mit Potential oder Relevanz für die jeweilige Hochschule müssen zunächst einmal identifiziert, getestet und evaluiert werden, bevor dann über deren dauerhafte Implementierung entschieden werden kann. All dies erfordert neue Kommunikationsmaßnahmen, Entscheidungsstrukturen sowie strategische Prioritätensetzungen kurzum: Die Entwickelung eines (Selbst-)Verständnisses und einer verbindlichen Leitidee für die eigene Hochschule.

Notwendigkeit einer Vertrauensbasis der involvierten Akteure.

Das Gelingen von Digitalisierungsvorhaben an Hochschulen hängt letztlich von der Kooperation einer Vielzahl beteiligter Akteure ab: vom Rechenzentrum über Projektbeteiligte bis hin zu aus den Fachbereichen, der Administration und der Universitätsleitung. Dies erfordert eine enge und wechselseitige Vertrauensbasis, die freilich nicht selten durch unterschiedliche Interessen, Perspektiven und mangelnden Austausch belastet ist – erschwerend hinzu kommen manchmal auch negative Erfahrungen und Ressentiments aus der Vergangenheit.

Gerade Mitarbeiter/innen in Rechenzentren sind oft geprägt durch solche Überforderungserfahrungen aus der Vergangenheit sowie durch die Befürchtung, am Ende mit einer Fülle von Forderungen allein gelassen zu werden.

Hinzuziehen externer Anbieter.

Um beispielsweise aus der Vergangenheit herrührende Konfliktsituationen oder Reibungen zwischen verschiedenen internen Hochschulakteuren zu reduzieren, erscheint es manchmal durchaus sinnvoll und hilfreich, externe Beratung oder Support hinzuzuziehen. Externe Akteure haben oftmals den Vorteil, unbelastet und „neutral“ agieren und kommunizieren zu können. Allerdings ist dabei immer sicherzustellen, dass deren Aktivitäten und Maßnahmen möglichst eng an den tatsächlichen Bedingungen, Bedarfen und Zielen der der Hochschule orientiert sind.

 

Zum Nachlesen:

Kiy, A., List, C., Lucke, U. (2017): „A Virtual Environment and Infrastructure to ensure future readiness of Data Centers“, in: European Journal of Higher Education IT – 2017-1, online abrufbar:  http://www.eunis.org/download/2017/EUNIS_2017_paper_56.pdf, Stand: 03.09.2018.

von der Heyde, M., Auth, G., Hartmann, A. & Erfurth, C., (2017): „Hochschulentwicklung im Kontext der Digitalisierung – Bestandsaufnahme, Perspektiven, Thesen“, in: Eibl, M., Gaedke, M. (Hrsg.), Informatik 2017. Lecture Notes in Informatics (LNI). Gesellschaft für Informatik, Bonn, S. 1757-1772.



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